Ungeschützter Stahl verliert im Brandfall bei etwa 500 bis 600 Grad einen Großteil seiner Tragfähigkeit. Um eine Stahlkonstruktion 30, 60, 90 oder 120 Minuten standfest zu halten, gibt es zwei gängige Wege: eine Brandschutzbeschichtung die bei Hitze aufschäumt, oder Plattenbekleidung die das Profil umschließt. Beide funktionieren. Die Wahl hängt von Kosten, Optik, Wartung und der Situation vor Ort ab.
So funktionieren sie
Brandschutzbeschichtung ist eine dämmschichtbildende Farbe. Bei etwa 200 Grad dehnt sich die Schicht zu einem isolierenden Schaum aus, oft um ein Vielfaches der ursprünglichen Dicke, der die Hitze vom Stahl fernhält. Die Trockenschichtdicke wird je Profil anhand des Profilfaktor - dem Verhältnis zwischen der erwärmten Oberfläche und der Masse des Profils. Ein schlankes Profil erwärmt sich schneller und benötigt daher bei gleicher Feuerwiderstandsanforderung eine dickere Schicht als ein schweres Profil.
Plattenbekleidung umschließt das Profil mit brandschutztechnischen Platten, meist auf Basis von Calciumsilikat oder Gips. Die Platte isoliert den Stahl physisch. Die erforderliche Plattendicke ergibt sich ebenfalls aus dem Profilfaktor und der geforderten Dauer.
Der Vergleich
| Brandschutzbeschichtung | Plattenbekleidung | |
|---|---|---|
| Optik | Profil bleibt sichtbar, geeignet für Sichtbereiche | Profil wird zu einer rechteckigen Stütze oder einem Träger |
| Kosten bei 30-60 Minuten | Meist günstiger | Meist teurer |
| Kosten bei 90-120 Minuten | Steigt durch dicke Schichten stark an | Oft günstiger |
| Ausführungszeit | Länger: mehrere Schichten mit Trocknungszeit dazwischen | Kürzer: Trockenmontage, sofort belastbar |
| Witterungsempfindlichkeit | Empfindlich gegenüber Temperatur und Luftfeuchtigkeit beim Auftragen | Kaum empfindlich |
| Beschädigungsanfälligkeit | Wird durch Stöße beschädigt, lokal ausbesserbar | Robuster, Reparatur erfordert jedoch Plattenaustausch |
| Komplexe Knotenpunkte | Folgt mühelos jeder Form | Schwierig und arbeitsintensiv an Verbindungen |
| Wartung | Regelmäßige Kontrolle auf Beschädigungen, Schicht ist ausbesserbar | Wenig Wartung, Sichtkontrolle der Fugen |
Wann wählen Sie eine Beschichtung?
- Der Stahl bleibt sichtbar und die Architektur verlangt die Silhouette des Profils.
- Die Anforderung beträgt 30 oder 60 Minuten; hier ist die Beschichtung fast immer die günstigste Lösung.
- Die Konstruktion hat viele komplexe Knotenpunkte, Fachwerkträger oder schräge Verbindungen, um die sich Platten schwer anbringen lassen.
- Es muss nachträglich geschützt werden in einem Bestandsgebäude, in dem der Raum um das Profil begrenzt ist.
Wann wählen Sie eine Bekleidung?
- Die Anforderung beträgt 90 oder 120 Minuten; die Beschichtung wird dann so dick, dass Plattenwerk oft günstiger ausfällt.
- Der Stahl liegt außer Sichtweite, über einer Decke oder in einem Schacht, wo die Optik keine Rolle spielt.
- Der Zeitplan ist eng: Die Plattenmontage kennt keine Trocknungszeiten und ist unempfindlich gegenüber den Bedingungen auf der Baustelle.
- Die Umgebung ist rau, zum Beispiel ein Lager mit Staplerverkehr, in dem eine Beschichtung schnell beschädigt wird.
- Es wird bei niedrigen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit gearbeitet, bei denen eine Beschichtung nicht richtig aushärtet.
Was bei beiden entscheidend ist
Unabhängig von der Wahl steht und fällt der Schutz mit drei Dingen. Der Profilfaktor muss je Profil bestimmt werden - eine einheitliche Schichtdicke über die gesamte Konstruktion ist fast immer falsch. Die Anschlüsse an Wände und Decken müssen berücksichtigt werden, sonst erreicht die Hitze den Stahl doch über die Flanken. Und die Ausführung muss dokumentiert werden: welches System, welche Schicht- oder Plattendicke, auf welchem Profil, gemessen und dokumentiert. Ohne diese Erfassung lässt sich bei einer Kontrolle nicht nachweisen, dass die Konstruktion die geforderte Zeit erreicht.
Eine Kombination ist ebenfalls möglich
In der Praxis ist eine gemischte Lösung oft die wirtschaftlichste: Beschichtung auf den sichtbaren Stützen in der Eingangshalle, Plattenbekleidung auf den Trägern über der abgehängten Decke. Es gibt keinen Grund, eine Technik über ein ganzes Gebäude auszurollen, wenn die Situation je Gebäudeteil unterschiedlich ist.
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Häufig gestellte Fragen
Bei 30 und 60 Minuten meist ja. Bei 90 und 120 Minuten wird die erforderliche Schichtdicke so groß, dass eine Plattenbekleidung oft günstiger ausfällt. Profilfaktor und Zugänglichkeit bestimmen mit, wo genau der Umschlagpunkt liegt.
Nur wenn die darunterliegende Schicht geeignet und haftfest ist und innerhalb des geprüften Aufbaus des Systems liegt. Häufig ist Strahlen oder eine geeignete Grundierung erforderlich. Eine vorherige Beurteilung verhindert, dass sich die gesamte Schicht später ablöst.
In Innenräumen hält eine fachgerecht aufgebrachte Schicht unter normalen Bedingungen Jahrzehnte. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Unversehrtheit: Beschädigungen durch späteren Bauverkehr sind der Hauptgrund, warum der Schutz örtlich nicht mehr ausreicht. Eine regelmäßige Sichtkontrolle genügt.
Ja. Die erforderliche Trockenschichtdicke ergibt sich aus dem Profilfaktor des jeweiligen Profils und der geforderten Feuerwiderstandsdauer. Eine einheitliche Dicke über die gesamte Konstruktion bedeutet, dass ein Teil zu dünn ist - und genau das wird bei einer Kontrolle beanstandet.
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