Feuerbeständige Beschichtungen und Platten auf Stahlkonstruktionen bieten jahrelangen Schutz, sind jedoch keine „auftragen und vergessen“-Lösung. Witterungseinflüsse, mechanische Schäden und Alterung können die Wirksamkeit im Laufe der Zeit beeinträchtigen.
In diesem Leitfaden lesen Sie, welche Arten von Brandschutzbeschichtungen es gibt, was ihre Lebensdauer bestimmt, wie eine Inspektion mit Schichtdickenmessung abläuft und wie Sie Schäden fachgerecht reparieren lassen.
Welche Arten von Brandschutzbeschichtungen gibt es?
- Aufschäumende Beschichtungen, auch Brandschutzanstrich genannt. Eine relativ dünne Schicht, die bei Hitze zu einer dämmenden Schicht aufschäumt. Es gibt Varianten auf Wasser-, Lösemittel- und Epoxidbasis.
- Zementgebundene und faserhaltige Spritzputze. Dickere Schichten, die den Stahl ohne Aufschäumen dämmen, vor allem dort eingesetzt, wo der Stahl nicht sichtbar bleibt.
- Plattenbekleidung. Feuerbeständige Platten rund um das Profil. Keine Beschichtung, aber oft im selben Wartungsplan enthalten.
Ein Beschichtungssystem hat einen festen Aufbau: eine zum System passende Grundierung, die Brandschutzschicht in der berechneten Dicke und bei Bedarf ein Decklack. Dieser Aufbau ist als Ganzes bewertet. Wer eine Schicht durch ein Produkt ersetzt, das der Hersteller nicht als kompatibel angibt, verlässt die bewertete Anwendung.
Innen oder außen: Die Umgebung bestimmt das System
Brandschutzbeschichtungen werden nach der Umgebung bewertet, in der sie eingesetzt werden dürfen. Die europäische Bewertung unterscheidet vier Typen:
| Typ | Geeignet für |
|---|---|
| X | Alle Umgebungen, auch vollständig im Freien |
| Y | Innen und halboffen, etwa ein offenes Parkhaus: Frost ja, aber kein Regen und wenig Sonnenlicht |
| Z1 | Innen, auch bei hoher Luftfeuchtigkeit |
| Z2 | Innen, bei normaler Luftfeuchtigkeit |
Eine Beschichtung, die für trockene Innenräume gedacht ist, altert in einem unbeheizten, feuchten Raum oder auf einem offenen Parkdeck schneller. Zu einer Inspektion gehört daher auch die Frage, ob die Umgebung noch zum eingesetzten System passt, etwa nach einer Nutzungsänderung des Raums.
Wie lange hält eine Brandschutzbeschichtung?
Eine feste Lebensdauer gibt es nicht. Eine fachgerecht aufgebrachte Beschichtung, die zur Umgebung passt, kann in einem trockenen Innenraum lange halten. Europäische Bewertungen gehen für die Prüfung von einer angenommenen Nutzungsdauer aus, aber das ist keine Garantie und kein Verfallsdatum: Entscheidend ist, ob das System noch zur Umgebung passt und ob die Schicht intakt ist. Beschädigungen durch spätere Bauarbeiten, Feuchtigkeit und eine unpassende Umgebung sind die wichtigsten Gründe, warum der Schutz örtlich unzureichend ist.
Was beeinträchtigt eine Beschichtung?
- UV-Strahlung und Feuchtigkeit bei im Außenbereich angewendeten Beschichtungen
- Mechanische Beschädigung durch Stöße, Kollisionen oder Arbeiten in der Nähe der Konstruktion
- Chemische Exposition in industriellen Umgebungen
- Alterung des Materials, vor allem wenn die Umgebung nicht zum System passt
Signale, dass eine Inspektion erforderlich ist
- Sichtbare Risse, Abblätterung oder Ablösung der Beschichtung
- Rostbildung, die durch die Schicht hindurch sichtbar wird
- Mechanische Beschädigung nach Umbau oder Nutzung des Raums
- Neue Halterungen, Befestigungen oder Bohrlöcher im Profil, angebracht von anderen Firmen
So läuft eine Inspektion mit Schichtdickenmessung ab
- Daten anfordern: Welches System wurde eingesetzt, mit welcher Schichtdicke je Profil, und was steht in der Abnahmedokumentation.
- Sichtprüfung aller geschützten Profile, mit besonderem Augenmerk auf Verbindungen, Kanten und Stellen, an denen später gearbeitet wurde.
- Schichtdickenmessung mit einem magnetischen oder elektromagnetischen Messgerät. Das Gerät misst den gesamten Aufbau; die Dicke von Grundierung und Deckanstrich wird davon abgezogen.
- Abgleich mit dem Schichtdickenplan: Die gemessene Trockenschichtdicke je Profil muss den berechneten Wert erfüllen, innerhalb der Toleranzen des Systems.
- Kontrolle des übrigen Systems: Passt das System zur Umgebung, sind Grundierung und Decklack kompatibel und haftet die Schicht gut? Eine ausreichende Schichtdicke allein beweist nicht, dass der Schutz in Ordnung ist.
- Erfassung des Ergebnisses je Profil, mit Foto und Standort, im Logbuch.
Eine Sichtprüfung reicht nicht immer aus, um den verbleibenden Feuerwiderstand zu beurteilen. Im Zweifel messen wir die Schichtdicke und vergleichen sie mit dem Schichtdickenplan und der Bewertung des eingesetzten Systems.
Schäden reparieren: so geht es richtig
Eine beschädigte Beschichtung lässt sich meist lokal reparieren. Voraussetzung ist, dass die Reparatur im ursprünglichen System bleibt:
- Verwenden Sie dasselbe Produkt oder ein Produkt, das der Hersteller ausdrücklich als geeignet angibt, und befolgen Sie die Ausbesserungsanleitung des Herstellers.
- Entfernen Sie lose Teile, reinigen Sie den Untergrund und stellen Sie zuerst den Korrosionsschutz wieder her.
- Tragen Sie die Brandschutzschicht in der berechneten Dicke auf, mit Überlappung auf die intakte Schicht ringsum.
- Schließen Sie mit dem vorgeschriebenen Deckanstrich ab und messen Sie die Schichtdicke nach.
- Dokumentieren Sie die Reparatur: Standort, Produkt, gemessene Schichtdicke und Datum.
Überstreichen mit normaler Farbe wirkt harmlos, kann aber das Aufschäumen im Brandfall behindern. Stimmen Sie sich daher immer ab, bevor ein brandschutzbeschichtetes Profil eine andere Farbe bekommt.
Dokumentation ist genauso wichtig wie die Wartung selbst
Für Versicherer und Aufsichtsbehörden ist der Nachweis regelmäßiger Wartung oft genauso wichtig wie die Qualität der Wartung selbst. Wir dokumentieren jede Inspektion und Instandsetzungsmaßnahme in einem übersichtlichen Logbuch.
Ist die Wahl zwischen Beschichtung und Plattenbekleidung noch offen? Dann lesen Sie Brandschutzbeschichtung oder Bekleidung.
Häufig gestellte Fragen
Eine feste Frist gibt es nicht. Eine regelmäßige Sichtkontrolle ist sinnvoll, zum Beispiel jährlich in Gebäuden, in denen viel umgebaut wird oder die Konstruktion gefährdet ist, und immer nach Arbeiten in der Nähe der Konstruktion. Eine Schichtdickenmessung ist bei Zweifeln an der Schichtdicke, nach Beschädigungen und bei der Abnahme nötig.
Nur mit einem Deckanstrich, den der Hersteller für dieses System freigegeben hat. Normale Farbe kann das Aufschäumen im Brandfall behindern, wodurch der Schutz abnimmt.
Mit einem magnetischen oder elektromagnetischen Schichtdickenmessgerät auf dem Stahl. Das Gerät zeigt den gesamten Aufbau. Nach Abzug von Grundierung und Deckanstrich bleibt die Trockenschichtdicke der Brandschutzschicht, die je Profil mit dem berechneten Wert verglichen wird.
Nur wenn das System für den Außeneinsatz bewertet ist und mit dem vorgeschriebenen Deckanstrich abgeschlossen wird. Systeme für innen altern draußen schnell durch Regen, Feuchtigkeit und UV-Strahlung.
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